14.08.2017

„Nur mal einen Kuchen zu backen reicht auf Dauer nicht“

von  Usinger Anzeiger (zyk)

HANDBALL HSG Anspach/Usingen meldet Männer-Team ab / „Lieber ein Ende mit Schrecken...“ - HOCHTAUNUS (zyk) - Interview mit Dirk Kretzschmar

Rückzug: Die HSG Anspach/Usingen meldet ihre erste Männermannschaft fünf Wochen vor Beginn der Handball-Saison 2017/18 vom Spielbetrieb in der Bezirksliga B ab.
HSG-Vorstandsmitglied Dirk Kretzschmar, gleichzeitig zweiter Vorsitzender der Handballabteilung der SG Anspach, erläutert im Gespräch mit dem Usinger Anzeiger die Gründe, die zu dieser Entscheidung führten.

 

Welche Gründe gibt es für den Rückzug?

Es gibt einfach zu wenige Aktive. In der aktuellen Situation haben wir keine Argumente, um neue Spieler zu gewinnen. Die B-Jugend ist altersmäßig noch zu weit weg. Und dann kam schließlich der private Umzug von Nils Staab nach Frankfurt dazu.

Warum gelang es nicht, den sportlichen Abwärtstrend zu stoppen?

Auch hier steht fehlende Manpower an erster Stelle. Die Spieler, die wir aus eigenen Reihen aktivieren konnten, sind teilweise jenseits der 35 und haben ja auch ihr Leben. Ein anderer Grund ist fraglos die nicht ausreichende Jugendarbeit. Das lag lange brach. Es rücken zu wenige junge Leute nach. Hinzu kommen die Abgänge Jugendlicher zu anderen Vereinen.

Wie sieht die Perspektive für Männerhandball bei der HSG aus und welche Auswirkungen hat das auf die beiden männlichen Jugendmannschaften?

Nach dem Rückzug der Männermannschaft für dieses Jahr sicher nicht so prickelnd. Ein gutes Zeichen ist aber, dass die verbleibenden derzeit acht bis zehn Spieler nicht aufhören möchten Handball zu spielen. Sie wollen einmal die Woche das Training aufrechterhalten und auch die B-Jugend dort mit einbeziehen. Denn auch die Jugendlichen sollen wissen, dass die Handball-Perspektive in Anspach da ist. Es gibt aus meiner Sicht in der Jugend keine Not, jetzt abzuwandern und woanders zu spielen.

Warum nicht?

Die Jugend öffnet die Tür für die übernächste Saison. Dort vielleicht unten wieder anzufangen und den Männerbereich wieder neu aufzubauen. Und vielleicht weckt das auch die Lust bei denen, die spüren, dass ihnen ohne Handball in Anspach was fehlt, die hier ihren Sport betreiben wollen. Für den Moment ist aber ein Ende mit Schrecken besser als ein Schrecken ohne Ende.

Und wie ist die Lage bei den Frauenmannschaften aktuell zu bewerten?

Zu den Damenmannschaften kann ich aktuell nichts sagen.

Was bedeutet die Abmeldung des Männerteams für Sie persönlich?

Es ist sicherlich traurig, klar. Ich spiele in Anspach seit meinem fünften Lebensjahr Handball. Das ist nun erst mal weg. Dennoch bricht nun keine Welt für mich zusammen. Meine Vorstandsarbeit führe ich weiter. Denn Voraussetzungen für Handball haben wir. Es fehlt das Engagement von Handball-Enthusiasten.

Wie sehen Sie die Zukunft des Handballs in Anspach und Usingen unter diesen Umständen?

Generell sehe ich die Situation für den Handball hier eher kritisch. Bei der HSG fehlen Leute, die den Spielbetrieb organisieren. Und auch bereit sind, dabei über einen längeren Zeitraum Verantwortung zu übernehmen. Nur mal einen Kuchen zu backen reicht halt auf Dauer nicht.

(Quelle: Usinger Anzeiger, Montag, 14. August 2017, www.usinger-anzeiger.de)

 



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